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klammer-tag Auswertung, Factsheet, Oktober 2026

Welche psychiatrischen Vorerfahrungen bringen Kinder und Jugendliche in die stationäre Kinder- und Jugendhilfe mit? Was bedeutet es, wenn Jugendliche ihre psychischen Belastungen anders einschätzen als ihre Bezugspersonen? Und welche Aspekte der Unterbringung hängen mit der Zufriedenheit beim Austritt zusammen?


Die drei neuen Factsheets beleuchten unterschiedliche Aspekte der stationären Kinder- und Jugendhilfe: die psychiatrische Vorgeschichte der jungen Menschen, Unterschiede zwischen Selbst- und Fremdeinschätzungen psychischer Belastungen sowie die Zufriedenheit mit verschiedenen Aspekten der Unterbringung. Damit bieten sie Einblicke in unterschiedliche Phasen und Herausforderungen – von der Aufnahme über den Aufenthalt bis zum Austritt.
   


Psychiatrische Vorerfahrungen: Wie eng sind Kinder- und Jugendhilfe und Psychiatrie verbunden?

Viele Kinder und Jugendliche, die in eine stationäre sozialpädagogische Einrichtung eintreten, haben bereits Erfahrungen mit der Kinder- und Jugendpsychiatrie gemacht. Wie verbreitet solche Vorerfahrungen sind, zeigt eine aktuelle Auswertung von 2’066 Kindern und Jugendlichen aus 39 EQUALS-Institutionen.


54.4% der Kinder und Jugendlichen hatten bereits mindestens eine stationäre kinder- und jugendpsychiatrische Behandlung erlebt. Dabei steigt der Anteil mit zunehmendem Alter deutlich an: Während bei den unter Elfjährigen bereits rund jedes vierte Kind entsprechende Erfahrungen mitbringt, sind es bei den Volljährigen rund 80%.


Auch direkte Übergänge zwischen den beiden Versorgungssystemen kommen regelmässig vor. 10.2% der Kinder und Jugendlichen traten unmittelbar aus einer psychiatrischen Einrichtung in die stationäre Kinder- und Jugendhilfe ein. Bei den dokumentierten Austritten wechselten 6.2% direkt in eine psychiatrische Einrichtung.


Die Ergebnisse verdeutlichen die enge Verbindung zwischen stationärer Kinder- und Jugendhilfe und Kinder- und Jugendpsychiatrie. Sie unterstreichen die Bedeutung einer verbindlichen Zusammenarbeit sowie sorgfältig gestalteter Übergänge zwischen den Versorgungssystemen. Ein mögliches Modell dafür sind liaisonpsychiatrische Kooperationen, durch die psychiatrische Expertise kontinuierlich und niederschwellig in die sozialpädagogische Betreuung eingebunden werden kann.


Zum Factsheet: Stationäre Kinder- und Jugendhilfe und Kinder- und Jugendpsychiatrie: Zwei eng verbundene Versorgungssysteme
   

Unterschiedliche Wahrnehmungen: Wenn Jugendliche ihre Belastungen höher einschätzen

Wie Jugendliche ihre psychische Belastung wahrnehmen, stimmt nicht immer mit der Einschätzung ihrer sozialpädagogischen Bezugspersonen überein. Frühere EQUALS-Auswertungen hatten bereits gezeigt, dass solche Unterschiede seit der Coronakrise zugenommen haben.


Ein aktuelles Factsheet untersucht anhand von Daten von 3’843 Jugendlichen aus 54 Institutionen, ob diese Unterschiede mit der Zufriedenheit während der Unterbringung und der Art des Austritts zusammenhängen.


Die Ergebnisse zeigen, dass 57% der Jugendlichen ihre psychischen Belastungen zu Beginn der Unterbringung in den letzten Jahren deutlich höher einschätzten als ihre Bezugspersonen. Bei 29.2% stimmten die Einschätzungen weitgehend überein, während bei 13.8% die Bezugspersonen eine höhere Belastung wahrnahmen.


Diese Unterschiede standen auch mit dem weiteren Unterbringungsverlauf in Zusammenhang. Jugendliche, die selbst eine höhere Belastung angaben als ihre Bezugspersonen, berichteten während der Unterbringung die geringste Gesamtzufriedenheit. Zudem wiesen sie mit 32.1% einen höheren Anteil irregulärer Austritte auf als Jugendliche mit übereinstimmenden Einschätzungen (26.9%).


Für die sozialpädagogische Praxis verdeutlichen diese Befunde, wie wichtig es ist, die subjektive Belastungswahrnehmung der Jugendlichen von Beginn an ernst zu nehmen. Deutliche Unterschiede zwischen Selbst- und Fremdeinschätzung können ein Hinweis darauf sein, dass eine vertiefte Auseinandersetzung mit dem Erleben und den Bedürfnissen der Jugendlichen notwendig ist.


Zum Factsheet: Was, wenn Wahrnehmungen zwischen Jugendlichen und Fachpersonen auseinandergehen?


Zufriedenheit beim Austritt: Welche Aspekte der Unterbringung sind besonders bedeutsam?

Wie zufrieden junge Menschen am Ende ihrer Unterbringung auf die erlebte Zeit zurückblicken, ist eine wichtige Frage für die Qualitätssicherung und Weiterentwicklung stationärer Angebote.


Ein weiteres EQUALS-Factsheet untersucht deshalb, welche während der Unterbringung erhobenen Zufriedenheitsbewertungen mit der abschliessenden Gesamtzufriedenheit zusammenhängen. Grundlage bilden die Angaben von 144 Jugendlichen aus 21 Institutionen. Die rückblickende Gesamtzufriedenheit wurde mit dem EQUALS-Austrittsfragebogen «Mein Weg» erfasst.


Die Auswertung zeigt, dass insbesondere die Zufriedenheit mit den Hilfeplangesprächen während der Unterbringung mit einer höheren Gesamtzufriedenheit beim Austritt zusammenhängt.


Auch die Zufriedenheit mit dem Engagement der Mitarbeitenden und den Möglichkeiten zur Mitgestaltung zeigte positive Zusammenhänge. Diese erreichten allerdings knapp nicht das statistische Signifikanzniveau.


Die Aufenthaltsdauer und die Zufriedenheit mit der Gestaltung des Tagesablaufs leisteten hingegen keinen statistisch signifikanten eigenständigen Beitrag zur Erklärung der abschliessenden Gesamtzufriedenheit.


Insgesamt konnten durch die untersuchten Aspekte 39% der Unterschiede in der Gesamtzufriedenheit statistisch erklärt werden.


Die besondere Bedeutung der Hilfeplangespräche lässt sich möglicherweise auch dadurch erklären, dass sich in ihrer Bewertung die allgemeine Qualität der sozialpädagogischen Betreuung widerspiegelt. Ob junge Menschen sich ernst genommen, verstanden und beteiligt fühlen und wie sie die Beziehung zu ihren Bezugspersonen erleben, dürfte auch ihre Zufriedenheit mit den Hilfeplangesprächen prägen. Diese könnten somit weniger als isolierter Einflussfaktor, sondern vielmehr als Ausdruck der insgesamt erlebten Betreuungsqualität verstanden werden. Ob dies tatsächlich der Fall ist, lässt sich anhand der vorliegenden Daten allerdings nicht abschliessend beurteilen.


Zum Factsheet: Was hängt mit der Gesamtzufriedenheit am Ende der Unterbringung zusammen?
   

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